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REUTLINGEN. Normal ist das Ding nicht. Das gelbe Post-Rad von Evelyn Bernadowitz ist eine Sonderanfertigung. Irgendwie monströs. Stabil gebaut. Mit viel Platz für Gepäck vorne und hinten. Locker verkraftet es jeden Tag das Gewicht der zierlichen Fahrerin plus 40 Kilo in den Taschen. Und die Zustellerin wird beim Strampeln unterstützt. Das "EBike" hat einen Akku samt elektrischem Hilfsmotor. Das spart Kraft in den Beinen auf der 16 Kilometer langen Runde. Der Arbeitstag von Evelyn Bernadowitz in der Reutlinger Hauptpost beginnt um 5.30 Uhr. Erst die gelieferte, vorsortierte Post nach Gangfolge und Hausnummer "stecken", die Briefe einpacken, dann geht's raus zum Zustellen. Ohne langes Warten auf den Bus, einfach aufs Rad steigen. Seit über 15 Jahren arbeitet die 34-Jährige bei der Post, wo sie auch ihre Lehre gemacht hat. "Ich bin mit einem guten Gefühl unterwegs, habe keine Angst", sagt Evelyn Bernardowitz. Sie mag es an der frischen Luft zu sein, ist gerne draußen "ihr eigener Herr". Vier Stunden unterwegs Ihr Gebiet mit exakt 1 001 Haushalten, in dem sie seit April 2004 mit dem Fahrrad Post zustellt, liegt unterhalb des Georgenbergs: Ringelbachstraße, Bellinostraße. Etwa vier Stunden ist sie nach dem Sortieren unterwegs, hat ein bis zwei Akkus als Reserve dabei, muss einmal zwischendurch an einem Kasten |
Post nachladen. Bezirk 29 heißt ihr Gebiet postintern und ist einer von 24 Radbezirken in Reutlingen. Damit wird in jedem dritten Reutlinger Zustellbezirk -insgesamt gibt es derzeit 66 - ein Fahrrad genutzt. Tendenz steigend.
Natürlich steckt dahinter auch die Optimierung von Kosten. Radbezirke sind deutlich größer als Fußbezirke. "Das Fahrrad kommt bei uns immer mehr zum Tragen", sagt Franz Wörz, Betriebsleiter bei der Post in Reutlingen. Die Erfahrung mit dem Transportmittel seien rundum gut. Es gebe nicht mehr Unfälle als bei Mitarbeitern, die zu Fuß draußen ihrer Arbeit nachgehen. Bei S-Mail gibt es fast nur Räder Ganz ohne Risiko ist der Job aber nicht. Das musste Evelyn Bernadowitz im Januar diesen Jahres sprichwörtlich am eigenen Leib spüren. Ein Hund biss sie in den Oberschenkel. Krankenhaus, eine Woche arbeitsunfähig. Glücklicherweise war der Vierbeiner geimpft. Anstrengend war die Runde nur am Anfang, mittlerweile ist die junge Frau, die im Taekwondo den grün-blauen Gürtel besitzt, körperlich noch fitter geworden. Das Verhältnis von Autos zu Rädern spricht auch beim Reutlinger Briefdienst S-Mail eine deutliche Sprache: 140 der 200 Zusteller sind mit dem Velo unterwegs, der Fuhrpark beschränkt sich auf 12 Autos. Und die mögen Kurzstrecken und das ewige Ein- und Aussteigen der Mitarbeiter gar nicht. S-Mail-Chef Wolfgang Schmid berichtet von diversen Ge- |
Getriebeschäden und betont: "Es war von Anfang an klar, dass man es mit dem Fahrrad macht." Seit November 2003 sitzt Christian Lange für S-Mail fest im Sattel seines Trekking-Bikes. Vormittags holt er in der Innenstadt drei Stunden lang Briefe und kleine Päckchen ab, sortiert sie zusammen mit Kollegen über Mittag und dreht am Nachmittag eine ebenfalls dreistündige Zustellrunde. Sein Gebiet erstreckt sich zwischen Weraund Hindenburgstraße. Das Fahrrad spielte im Leben des 30-Jährigen zuvor keine große Rolle. Mal in der Freizeit radeln, mehr nicht. Die Frau, die ihn damals eingelernt hatte, zog ihm einfach davon. Heute sind es 40 Kilometer und mehr pro Tag, die er locker mit seinem wasserdichten Rucksack auf dem Rücken zurücklegt. Zwar lag sein Fahrrad schon mal unter einem Auto - er hatte aber noch den Absprung geschafft, bevor ihm eine Frau die Vorfahrt nahm. Die war erleichtert, als sie ihn nicht unterm Wagen, sondern auf dem Gehweg sah.
Siebter Sinn im Verkehr gefragt Oft gilt es, Situationen richtig einzuschätzen und einen siebten Sinn zu haben. "In der Zwischenzeit habe ich ein Gespür dafür", sagt der BWL-Student. Er nehme "lieber etwas Gas raus" wenn es heikel werden kann. Auch Lange wurde schon einmal von einem Hund verfolgt - hielt ihn aber auf Distanz und entschärfte die Situation. Manche seiner Kollegen hätten extra für solche Fälle Hunde-Leckerlis dabei. "Da werden Hunde plötzlich zu Freunden." Radeln bei stechender Sonne, Sturzregen, Schnee und Glatteis. Alles kein Problem. "Es kommt nur auf die Kleidung an", versichert Lange. Er arbeite nach dem Zwiebelprinzip, also mehr oder weniger Lagen Kleidung. Probleme hätte er eher manchmal mit Briefkästen: keine Schilder, ständig voll gestopft. "Manche leeren ihren Briefkasten einfach nicht", ärgert sich der Student, der sich schon dabei erwischt hat, auf die "Briefkastenkultur" bei Bekannten zu achten. Jeder Zusteller entwickle mit mehr Erfahrung sein eigenes Austragesystem, werde immer schneller - wenn es nicht mal wieder einen lästigen Plattfuß gibt. In letzter Zeit hatte er Glück. Seit sechs Wochen sei immer die nötige Luft im Reifen geblieben. "Zwei Plattfüße pro Woche, das kommt schon mal vor." Wer es mit dem Rad über 5 000 Kilometer weit bis nach Marokko und zurück geschafft hat, so wie Karin Hudjetz, Bernd Schilling und Jürgen Mrowald |
vom Fahrradkurier Reutlingen, den kann so schnell nichts vom Sattel reißen. Vom Röntgenbild bis zum Surfbrett bringen sie so ziemlich alles von A nach B, auch sehr sperrige Güter. Pläne, Blumen, Zahnersatz - alles wurde schon mit ihren Mountain-Bikes sicher zum Ziel gebracht. Mit und ohne Anhänger. Logistische Erfanrungen brachte Bernd Schilling in den seit April bestehenden Betrieb ein. Der gelernte Elektroinstallateur hatte zuvor für den Paketdienst UPS gearbeitet. Während der langen Tour dachten die drei auch über ihre berufliche Zukunft nach: "Jetzt machen wir mal was mit dem Fahrrad." Gesagt, getan. Morgens werden jetzt bei einer festen Tour beispielsweise Postfächer für Kunden geleert, nachmittags gibt es eine zweite feste Runde. Dazwischen liegt das Geschäft auf Abruf. An Tagen, wo viel los ist, können es 60 oder 70 Kilometer sein, die da runtergespult werden. "Man muss schon gern Fahrrad fahren", meint Karin Hudjetz, "der Kurier darf nicht aus Zucker, er muss robust sein." Alle seien bis jetzt unfallfrei geblieben. Keine Selbstverständlichkeit: Reutlingen sei keine sehr radfreundliche Stadt. "In Freiburg haben die Radfahrer die Macht", schwärmt die 47-Jährige, die früher dort in einem Projektmanagement-Büro gearbeitet hatte. Weder das Radwegenetz noch die Topographie seien in der Achalmstadt ideal. "Wenn man aus der Innenstadt rausfährt, geht es überall hoch", klagt Hudjetz. Das Stadtgebiet weise zudem weite Strecken auf, etwa von Gönningen ,nach Mittelstadt. Gefährliche Überholmanöver Das Mitschwimmen im Verkehr ist nicht immer ein Vergnügen. Hudjetz: "Man muss gucken, wo man bleibt. Der Autofahrer ist am Drücker." Oft werde man geschnitten oder eng überholt. Besonders bei Bussen könne das sehr unangenehm sein. Aber: In der Innenstadt sei besonders zu Stoßzejten das Fahrrad zeitlich nicht zu unterbieten. Die drei Kuriere fahren auch privat kein Auto mehr. Das mache in der Stadt keinen Sinn und sei zudem teuer. Auch ein Stück Lebensanschauung steckt dahinter: "Aus eigener Kraft die Dinge bewegen", umschreibt sie Hudjetz. Reich könne man als Fahrradkurier nicht werden. Aber glücklich. Bernd Schilling schildert das so: "Es ist ein gutes Gefühl, wenn man durch eine schöne Gegend fährt und dabei auf Leute trifft, die in ihrer Freizeit Rad fahren - und ist dabei selber bei der Arbeit." Quelle: GEA (25.08.2005) |
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Das Fahrrad hat die neue gegründete Firma natürlich nicht erfunden, aber seine Vorteile auch beim Transport von Lasten selbst erfahren. Bei einer Radreise über 5.000 km nach Marokko, über Spanien und zurück mit 2 Lastanhängem, haben sie erkannt, dass es sehr gut möglich sei, Lasten mit dem Rad zu transportieren und das bis zu 90 kg. So haben wir den Fahrradkurier beauftragt, die Abholung unserer Post vom Postfach sowie den Rücktransport abends zu übernehmen. Für den Winter haben die Firmeninhaber Frau Hudjetz und Herr Schilling auch vorgesorgt: Spezielle Spikes sollen sicheren Transport innerhalb der Stadt gewährleisten. Nicht nur, dass wir als Chemieunternehmen einen positiven, garantiert feinstaubfreien Umweltbeitrag leisten sondem auch kostenmässig um drei Viertel niedriger liegen als der bisherige Posttransport. |
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Also ab 1. September morgens gegen 8.00 Uhr und abends zwischen 16.00 und 16:30 Uhr Pforte auf für den rotgekleideten Fahrradkurier! Good luck for our positive contribution for an environment of fine-dust free particles! Dorothea Uhig Quelle: Akzo Nobel - Resicoat-News (Aug. 2005) | |